Nur ungewöhnliche Wege führen zu ungewöhnlichem Ziel!

Eine kritische Evaluation

Keinesfalls sollen hier die Errungenschaften der modernen Medizin für die Menschheit herabgewürdigt werden. Trotzdem kann diese Medizin mit all ihren Hochtechnologien und Raffinessen nicht das gesamte Spektrum menschlicher Erkrankungen bzw. deren Behandlung umfassen. Denn: Letztendlich ist der Mensch kein Standardprodukt einer industriellen Fertigung, sondern ein höchst komplexes, individuelles Wesen. Wie also kann die Behandlung der Gesamtheit seiner somatischen oder psychischen Erkrankungen allein auf einer leitlinienkonformen Normierung basieren? Wie kann man von einer ärztlichen Therapiefreiheit reden, wenn ein Arzt seine Patienten nicht auf der Basis seines Wissens und seiner Erfahrung, sondern strikt in Anlehnung normierter Leitlinien behandeln darf? Bei Zuwiderhandlung muss sich ein Arzt selbst bei Erfolg den Vorwurf gefallen lassen, das Wohl seines Patienten vorsätzlich gefährdet zu haben!

In der Europäischen Union machen juristische Regulierungen medizinische Forschung – und somit insbesondere die Krebsforschung – zu einem Privileg für autorisierte Zirkel (Advanced Therapy Medicinal Products [ATMP], Arzneimittelgesetz [AMG] oder Ausschuß für Humanarzneimittel [CHMP] und Good manufacturing practices [GMP] etc.).  Dieses zentralistische System und Monopol beinhaltet auch ethische Bewertungen: Da die Elite alles kontrollieren will und unkonventionelle Forschungsansätze, die nicht ihren Regeln entsprechen, oft als „unwissenschaftlich und unethisch“ deklariert oder manchmal kriminalisiert werden – selbst wenn positive Ergebnisse nicht von der Hand zu weisen sind. Außerdem dienen diese Regelungen nur dazu, den Wettbewerb großer Unternehmen bevorzugen. Denn, eine Markteinführung eines neuen Medikaments vom Labor bis zum Apothekenregal kostet mehr als eine Milliarde Dollar. Aus Gründen der „Gleichstellung“ soll eine kleine Firma die gleichen Bedingungen erfüllen, wie eine Multinationale Großkonzern mit einem Kapital im oberen dreistelligen Milliardenbereich. Eine Milliarde ist für sie nur „pea nuts“, währen die Kleinen ihr gesamt Kapital auf Spiel setzen müssen.

iREM ist als Paradebeispiel für diese Wahrnehmung zu sehen. Denn anstatt Unterstützung für diesen interessanten Ansatz zu gewähren, wurde meine Arbeit von der Gesellschaft bzw. ihren akademischen Institutionen mit all ihren Vorschriften so kriminalisiert, als ob die – ganz offensichtlich positiven – Behandlungsansätze auf einer Stufe stünden wie ein offener Gesetzesbruch.

Abgesehen von diesen Beschränkungen verweigern die Patentgesetze einer medizinischen Behandlung leider die Anerkennung als geistiges Eigentum, als ob solche Leistungen nur Banalitäten wären. Dies bedeutet, dass für Verfahren wie iREM keine Möglichkeit des Rechtsschutzes besteht (siehe z. B. Deutsches Patentrecht, Abschnitt 2).

Während Reality-Shows im Fernsehen Millionen von Euros ausschütten und Menschen auf der ganzen Welt kein Problem damit haben, Milliardeneinkünfte von Sport-, Musik- oder Instagram-Idolen zu billigen, wird wie selbstverständlich erwartet, dass Medizinforscher ihre Kreativität und Produktivität einer im Grunde indifferenten Gesellschaft für einen warmen Händedruck und Applaus zur Verfügung stellen. Ist das ethisch und moralisch korrekt?

Leiden bzw. Gesundheit sollten keine Handelsware sein! ABER…

Obwohl ich der Meinung bin, dass die maßlose Kommerzialisierung der Behandlung gesundheitlicher Leiden eine Form von Menschenrechtsverletzung darstellt, kann ich mich folgender Überlegungen nicht erwehren: Dank willfähriger Politik und exzessivem Kapitalismus lässt sich geistiges Eigentum in jedweder Form schützen (z. B. Bilder, Musik, Designs, Logos, Software usw.). Das ist an sich nicht verwerflich, stecken dahinter doch (geistige, physische, finanzielle, zeitliche) Anstrengung, Leistung, Engagement. Einzig auf dem Gebiet der medizinischen Forschung steht ein Arzt oder Wissenschaftler schutzlos da – seine Erkenntnisse werden als nicht patentierbar gewertet. Als Rechtfertigung wird die ethisch-moralische Verpflichtung des Arztes gegenüber der Menschheit vorgeschoben. Allerdings gilt eine solche Bindung nicht für die Pharmaindustrie: Unter dem Deckmantel „Forschungs- und Investitionsaufwand“ ist Profitgier hier an der Tagesordnung – oder wie ist es sonst zu nennen, wenn z. B. der Verkauf einer einzigen Behandlungsdosis bis zu 2 Millionen Dollar moralisch vertretbar sein soll? Ich nenne das verwerflich. Doch wenn dieser Maßstab gilt, dann Gleichberechtigung für alle – auch Forschungsergebnisse wie iREM müssen als geistiges Eigentum anerkannt werden!

Allgemein wird angenommen, eine individuelle Krebsbehandlung wie iREM sei weder massentauglich noch wirtschaftlich interessant. Das ist jedoch ein fataler Irrtum, braucht es zur Verwirklichung doch nur guten Willen und planvolle Organisation.
Massentauglich: Mit der notwendigen, für einen Staat/die Staatengemeinschaft relativ unproblematisch aufzubauenden Infrastruktur kann die iREM-Behandlung sogar in entlegensten Regionen verwirklicht werden – und dies, ohne die Umwelt im geringsten zu belasten.
Wirtschaftlich interessant: Bei weltweit immens hoher Zahl an Betroffenen (viele Millionen!) können Industrie und Wirtschaft vom Boom im Bereich Laborausrüstung und Verbrauchsmaterialien profitieren. Durch Personalbedarf (Ärzte, Biologen, Laborassistenten, technisches Wartungspersonal etc.) würden weltweit Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen. Darüber hinaus sollte man immer gewisse Patentoptionen im Auge behalten, die in den Prozessschritten der iREM-Behandlung versteckt sein können (!).
Meine Anregung: Wie oben erwähnt, ist die Eintreibung von „Schutzgeld“ juristisch weltweit perfekt organisiert. Legitim wäre doch nur, wenn für die Umsetzung medizinischer Verfahren wie iREM eine analoge Grundlage geschaffen würde, sodass die geistige Leistung von Forschern im Allgemeinen anerkannt wird. Dies ist eine Frage des Prinzips.

Seitdem der amerikanische Präsident Nixon 1971 den „Krieg gegen den Krebs“ ausgerufen hat, hat die Weltgemeinschaft zig Milliarden Dollar ausgegeben, um den Kampf gegen den Krebs „zu gewinnen“ – mit fraglichem Erfolg. Lediglich die Kosten von Behandlungsbeginn bis zum Ableben von Krebspatienten haben sich seitdem von vierstelligen Dollarbeträgen auf sechsstellige erhöht. Nach wie vor sind Nationen bereit, weitere Milliarden auszugeben, wobei letztendlich nur ein geringer Prozentsatz an Betroffenen gerettet wird. Sind offizielle Stellen gleichgültig gegenüber dem Leiden von an Krebs erkrankten Menschen, wenn sie mit sturer Beamtenmentalität diesen Patienten die Chance, die iREM bietet, vorenthalten?

Seit den 80er Jahren verfolge ich auch die molekularbiologischen Entwicklungen mit großer Aufmerksamkeit. Obwohl man große Hoffnungen auf diese verheißungsvolle Technik setzte, betrachtete ich das Ganze aus skeptischer Distanz. „Alle Gesundheitsprobleme der Menschheit könnten bald erledigt werden“ hieß es in den Fachkreisen. Doch inzwischen häufen sich die enttäuschten Erwartungen. Ich bin immer überzeugt, dass man der Natur nicht ins Werk pfuschen sollte – sie wird irgendwann gnadenlos zurückschlagen. Meines Erachtens begeht die Gentechnik genau diesen Fehler. Sie ist einem Mikado-Spiel vergleichbar: Es lassen sich zwar erst etliche Stäbchen aus dem Stapel ziehen, doch das eine entscheidende bringt das Ganze zum Einsturz.

Zu befürchten ist, dass aufgrund der o. g. strengen Richtlinien Forscher weltweit aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Zukunft keine durchschlagenden Fortschritte erzielen werden. Wollte man alle Regeln Schritt für Schritt befolgen, würde die Realisierung einer Idee wie die iREM-Krebsbehandlung Jahrzehnte und Abermillionen von Geldern in Anspruch nehmen. Daher sind unabhängige, kreativere Forschungsstrategien zur Krebsbekämpfung dringend erforderlich.