Homo sapiens und seine Hybris

Alles im Universum ist so einfach, es sei denn, der Mensch macht es absichtlich kompliziert!

Beim Lesen dieses Buches sind sowohl Schmunzeln als auch Stirnrunzeln garantiert. Aber nur die wirklich Beharrlichen werden bis zum Ende durchhalten: Nicht immer leicht verdaulich, ist dieses Buch ein rauer Spiegel, in dem fast jeder sein wahres Wesen erkennen kann – und das ist nur in den seltensten Fällen schmeichelhaft.

Kombiniert mit autobiographischen Anekdoten, formuliere ich meine ganz persönliche Sichtweise auf aktuelle Themen wie Religion, Humanismus, Sozial- und Umweltprobleme, sicherlich aus zuweilen exzentrisch-gewagter Perspektive, was jedoch für besonderen Lesespaß sorgen sollte.

Schon als Kind hatte ich mein Umfeld mit meinen philosophischen Fragen nach dem Warum und Woher in Atem gehalten. Nahezu unantastbar erschien die Autorität des Dorf-Imams, der uns Kinder belehrt hatte, wir alle seien Geschöpfe Gottes, dazu bestimmt, den Allmächtigen durch bedingungslosen Gehorsam zu ehren. Als einigermaßen aufgewecktem Kind waren mir beizeiten Ungereimtheiten aufgestoßen, auf die mein kleinbäuerliches Umfeld keine befriedigenden Antworten wusste. Offensichtlich musste ich meinen Diskurs mit Gott höchstselbst führen, zumal mein Entschluss unbeirrbar feststand: Ich wollte Prophet werden! Doch Gott verweigerte sich mir – wenn er sich überhaupt zeigte, so nur im Zorn. Sollte der allmächtige, allwissende Gott tatsächlich kleinlich, nachtragend sein? Sechs Jahre war ich alt, als mein Entschluss feststand: Mit Gott war ich fertig. Die Koordinaten für meine geistige Unabhängigkeit und mein seelisches Gleichgewicht würde ich selbst bestimmen müssen.

So war mein Heranwachsen geprägt von der Suche nach meinem wahren ICH bzw. dem Versuch, all das, was meine Realität ausmachte, zu begreifen: Die Natur, die Menschen, ihre Beziehung zueinander, soziale Werte, wie sie Religion, Ethik, Philosophie etc. begründen. Ich erkannte im menschlichen Wesen einen rabiaten Anthropozentrismus, der dazu führt, dass der Mensch einen paranoiden Dominanzkrieg gegen alles in der Natur führt. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang unsere religiös-philosophischen Traditionen? Diesem Aspekt wird meines Erachtens nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt. Der Gott, wie er insbesondere in den ägyptoiden Religionen Judentum, Christentum und Islam verherrlicht wird, gibt dem Menschen als „Krone der Schöpfung“ einen Freibrief für Ausbeutung und Zerstörung des Universums: Statt Verantwortung für uns selbst und die uns anvertraute Natur zu gebieten, fordert er nur blinde Gottesfürchtigkeit ein, die im Töten Andersgläubiger gipfelt.

Der Mensch ist aber ein Meister der Selbsttäuschung. Alle seine Lösungen von heute waren und sind leider unüberwindbare Probleme von morgen. Steuern wir mit unserer Anmaßung also auf ein alles vernichtendes Fiasko zu? Das unlösbare Problem Mensch war und ist ein Problem für sich selbst und Ursache für die anderen Probleme der Welt.

Der Mensch ist ein Meister der Selbsttäuschung. Alle seine Lösungen von heute waren und sind leider unüberwindbare Probleme von morgen. Steuern wir mit unserer Hybris auf auf ein alles vernichtendes Fiasko zu? Das unlösbare menschliche Problem war und ist ein Problem für sich selbst und die Ursache anderer Probleme in der Welt.

Die menschliche Vernunft wäre ja nun wahrlich eine einzigartige, vielleicht wirklich gottgegebene Fähigkeit. Wie kann es sein, dass Unwissenheit, Glaube, Egoismus sie so kühl ins Abseits stellen? Wie ist es um das Verhältnis Rationalität versus Emotionalität bestellt? Ein tief im menschlichen Wesen verankerter „Urinstinkt, eine „Uremotion“, die Angst, lässt sich durch Rationalität nur in beschränktem Maße formen. Im Grunde bleibt der Mensch getrieben durch diese Angst. Das menschliche Streben nach Unsterblichkeit bekommt für mich in diesem Zusammenhang einen neuen Sinn. Nichts treibt den Menschen mehr um als die Angst vor dem Nichts, sei es nun, dass sein ganzes Dasein als Nichts zu begreifen wäre – ohne tieferen, metaphysischen Sinn –, sei es, dass er nach seinem Tod im Nichts versinkt: Nichts macht ihm mehr Angst. Einen Ausweg sieht er in Glauben und Hoffnung, Gott und Religion finden darin ihre Existenzberechtigung.

Als Ergebnis endloser Betrachtungen und Abwägungen gelang es mir schließlich, den Sinn meines Daseins zu definieren: DAS NICHTS!